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du MAHN

"Nichts macht uns so gross wie grosser Schmerz."
Alfred de Musset


Big is beautiful - isn't it?

Der geneigte Leser möge mir den aufgeblasenen Titel verzeihen. Gleichzeitig gebe ich zu: Ich habe ihn absichtlich gewählt. Es verstreicht in der Tat kaum mehr ein Tag, in dem mir nicht eine Vernissage-Einladung eines schweizerischen Kunstmuseums ins Haus schneit, die nicht in unserer neuen Nationalsprache daherkommt! Und dabei spreche ich nur gerade von diesem Sommer: Another world (Luzern), Painting on the move (Basel), House of fiction (St. Gallen), Wallflowers (Zürich), Audible silence (Zürich), Art is the better life und Recycling (Genf), Inside the sixties (Lausanne), Stuff it (Zürich), Forty part motet (Ittingen), Crossing (Biel), Naked came the stranger (Lichten-stein), Inbetween (Langenthal), Fat es fat (Schaffhausen) und weitere mehr. Sogar das Landesmuseum lässt sich mit Remember Swissair darauf ein, und die Kunsthalle FriArt in Freiburg sagt Small is OK und aktualisiert damit das berühmte Sprichwort Small is beautiful, das den Ausgangspunkt für unsere ironische Spielerei abgab...

***

Dem Grossformat kommt heute wie früher im künstlerischen Schaffen eine besondere Bedeutung zu. Hier suchen die Künstler ihre repräsentativsten und dauerhaftesten Werke zu schaffen, vielleicht gerade, weil solche Arbeiten auch am schwierigsten zu bewerkstelligen sind. Wir glauben an diese Charakteristik, wenn auch momentan das Vergängliche, das Wegwerf-Objekt in Mode sind. Die Zeiten ändern sich. Und sie werden sich erneut ändern.

Erste Kontakte mit unserer Bildersammlung vor zwölf Jahren zeigten mir, dass die Maler der heute so bezeichneten Neuenburger Schule des 19. Jahrhunderts unter dem Einfluss von Léopold Robert und Maximilien de Meuron den Blick für das Grosse hatten. Die Anzahl an Grossformaten im älteren Teil unserer Sammlung ist erstaunlich. Und die Künstler oder die späteren Besitzer der Werke schenkten unserer Sammlung auch eine grosse Zahl dieser monumentalen Gemälde, noch bevor das heutige grosse Museumsgebäude stand. Was also war natürlicher, als diese Politik fortzusetzen. Mehrere Mäzene halfen mir in grosszügiger und regelmässiger Weise bei diesem Unterfangen, allen voran der Fonds Maximilien de Meuron, aber auch öffentliche Insti-tutionen, Galeristen, mit Künstlernachlässen betreute Familien und zahlreiche lebende Künstler.

Der Rêve du peintre (Des Künstlers Traum) war eine erste Gelegenheit: 1990 nahmen die vier Neuenburger Künstler Carlo Baratelli, Jean-Michel Jaquet, Marieke Kern und Armande Oswald die vier grossen Säle des Oberstocks in Besitz, um vor der Renovation die mit abgenutzten Stoffen bespannten Ausstellungswände auszumalen (über 1000 m2 Oberfläche!). Sozusagen als Archäologen der Moderne haben wir uns in der Folge die Mühe genommen, diese grossen Werke unter der neuen Innenhaut zu konser-vieren. Parallel dazu löste der Ankauf eines grossen Bildes von Jean-Bloé Niestlé, das sich noch im Besitz einer seiner beiden in Berlin lebenden Töchter, Colette Niestlé, befand, ein paar Jahre später ein bedeutendes Legat aus. Die Verbindung von alt und neu zeichnet diese beiden Beispiele aus, und das sollte auch der rote Faden für die weitere Tätigkeit an unserer Sammlung werden.

Aus der Überzeugung heraus, dass unsere eigenen Temporärausstellungen, die ja mit einem beträchtlichen wissenschaftlichen Aufwand, entsprechenden Publikationen (und also unter Einsatz grosser Geldmittel) realisiert werden, in der Sammlung Spuren hinterlassen sollten, schafften wir dort zahlreiche Werke an, die als Ankäufe oder Geschenke in die Sammlung gelangten. Heute stelle ich mit Befriedigung fest, dass die meisten dieser Einzel- oder Gruppenausstellungen erlaubten, Grossformate der folgen-den Künstler anzuschaffen: André Evrard und Catherine Warmoes (1990), Primula Bosshard und die Zeugen des Rêve du peintre (1991), Cesare Lucchini, Jean-Michel Jaquet und Ugo Crivelli (1992), Ueli Berger und Marc Jurt (1993), Gianfredo Camesi, Henri Presset und Joël Desbouiges (1994), Christoph Draeger und Hervé Graumann (1995), René Fendt und André Siron (1996), Barbara Ellmerer und Francine Simonin (1997), Daniel Göttin und Gustave Jeanneret (1998), Catherine Aeschlimann, Domi-nique Lévy und Maurice Frey (1999), Philippe Grosbéty, Hanns Schimansky und Bern-hard Luginbühl (2000), Elisabeth Masé und David Ambrosius Huber (2001) Grégoire Müller, Alain Clément und Michael von Graffenried (2002).

Sehr verschiedenartig, wenn auch weniger zahlreich, waren die Anschaffungen in Kunstausstellungen der Region oder ausserhalb. Sie betrafen Werke von Hans Witschi (1990), Carole Bellenot, Christiane Dubois und Jean Zuber (1991), Aurélie Nemours und Christiane Wyler (1994), Michel Gentil (1996), Olivier Estoppey und Alex Rabus (1997), Uwe Wittwer (1998), Christiane Lovay und Marie-Thérèse Vacossin (1999), Catherine Bolle, Jean-René Moeschler und Wainer Vaccari (2001).

Aber die Kunstwelt hört nicht bei den Ausstellungen auf. Mäzene können unabhängig davon tätig werden, und Kontakte zu Künstlern oder zu Familien, die mit Künstler-nachlässen betreut sind, können ebenfalls ihre positiven Konsequenzen zeitigen. Das war der Fall für Jean Bloé Niestlé (1991), Martin Disler (1995), Lermite (1996), Sebastian Muniz (1997), Christian Floquet, Olivier Mosset, Jeanne Lombard und Armande Oswald (2000), Flavio Micheli und Claudio Moser (2001).

In mehreren Fällen führten erste Anschaffungen zum Erstellen grösserer Werkgruppen. Das deutlichste Beispiel dafür ist die grosse Gruppe von Werken Gianfredo Camesis in unserer Sammlung. Erste Anschaffungen fanden 1994 in Anschluss an seine grosse Ausstellung in unserem Haus statt und haben sich seither regelmässig wiederholt.

"Regionalismus und Oeffnung" war die Devise unserer Sammlung seit ihrer Gründung um 1816, und sie entspricht meiner Haltung, seit ich 1989 ans hiesige Museum kam. Man könnte hinzufügen, dass heute "Region" im weiten Sinne und "Oeffnung" als Konstante zu verstehen sind.

Ich widme die Ausstellung René Fendt, der uns zu früh verlassen hat.

Walter Tschopp
Konservator Bildende Kunst