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Alain Clément Die zauberhafte Malerei des südfranzösischen Malers Alain Clément untersucht in bildnerischer Weise eines der Grundelemente jeder Kunst: den Strich. Unsere Ausstellung zeigt auf, wie ein bedeutender Maler sich im Verlauf einer sechsjährigen künstlerischen Entwicklung rapiden Veränderungen unterzieht und sich doch im Gleichen bewegt. Darum geht es ja in der Malerei, seit es sie gibt: das immer Gleiche in immer wieder neuer Weise auszudrücken. Eingangs wird der Besucher mit den neusten Werken konfrontiert. Er kann sich anschliessend in die nordseitigen Säle begeben, wo die Werke von 1996 hängen, um sich dann vom Fluss der Zeit tragen zu lassen. Im Grund dreht sich die Neuenburger Ausstellung um jene beiden monumentalen Diptychen von 1997, die die ganze Nord- respektive Südwand des grossen Ostsaals einnehmen. Buntfarbene grosse Striche halten den ganzen Bildraum in Atem, den sie in chaotischer und doch irgendwie beherrschter Manier durchmessen. Unser Auge dringt in ihn ein... und verliert sich, ohne bis zum Bildgrund vorzustossen, denn Alain Clément sorgt dafür, dass das klassische Figur-Grund-Phänomen in diesen "Urwäldern" nicht zum Tragen kommen kann. - Ganz im Gegenteil dazu kultivieren die Bilder auf der Westwand eben dieses Phänomen, indem sie frei hingesetzte grosse Pinselstriche vorführen, die auf einem wolkig-hellblauen Bildgrund schweben. - Eine dritte Variante wird auf der Ostwand vorgetragen, wo sich schwere, zu eigentlichen Platten verdichtete Striche in einem fragilen Gleichgewicht zusammenfinden. Um zum chronologischen Anfang der Ausstellung zu gelangen, muss sich der Besucher in den letzten Nordsaal begeben, wo er auf frühere Versionen dieser Farbstrich-Arbeiten stösst: auf der West- und Südwand sehen wir in zwei grossen Malereien von 1996 und 97 sehr frei gesetzte, weit ausholende Pinselgesten, während auf zwei weiteren, praktisch quadratischen Werken an der Nordwand sehr viel konstruiertere Strich-Kombinationen dargebracht sind, deren oft parallel geführte, pseudoräumliche Doppelstriche auf die zwei Jahre später realisierten ersten Skulpturen vorausweisen. Im achteckigen Saal gleich daneben schiebt sich ein poetisches Intermezzo in die chronologische Abfolge. Hier fügen sich achtzehn kleine Bilder aus dem Jahr 2001 wie Stilleben zu einem eigentlichen Farb- und Formtanz, mal eher vegetabil, dann gleich wieder sehr konstruiert. Sie umgeben die Sculpture jaune 2000, die eine erste Konsequenz jenes räumlichen Arbeitens darstellt, das wir in den quadratischen Bildern festgestellt haben: Striche, die in den Raum hinausgestiegen sind! Im grossen Südsaal, den der Besucher bereits vom Beginn seines Besuchs her kennt, sind sieben grosse Bilder der Jahre 2000 und 2001 in Szene gesetzt. Zweifellos stellen diese monumentalen Werke den bisherigen Höhepunkt in Cléments Auseinandersetzung mit dem Bildphänomen Strich seit den späten Siebzigerjahren dar. Ruhig durchqueren die mächtigen Sparren den Bildraum. Wirft man von hier aus einen Blick auf das eingangs beschriebene monumentale Diptychon von 1997 im Raum daneben, wird man den seither abgeschrittenen Weg gut nachvollziehen können. Die Sculpture noire 2001 steht als Kontrapunkt zu den grossen Malereien. Beobachten wir sie aufmerksam, werden wir bemerken, dass sie nicht einfach ein Räumlich-werden der Striche in den Bildern darstellt. Vielmehr ist sie eine neue Herausforderung: die bildnerische Beschäftigung mit der Frage nämlich, wie man sich denn gemalte Striche in ihrer Kombination im wirklichen Raum vorzustellen habe, als "Winkeleisen-Striche" zum Beispiel, als eine Gestalt jedenfalls, die den Bedingungen des reellen Raums Rechnung zu tragen hat. Beim Verlassen der Ausstellung stösst der Besucher auf eine grosse Tuschearbeit auf Leinwand, die in ihrer monumentalen Einfachheit und Ruhe ausdrückt, wohin die künstlerische Reise des Alain Clément in den nächsten Jahren führen könnte...
1941 Geburt in Neuilly-sur-Seine |