Grégoire Müller
Werke von 1987 bis 2001

Die Ausstellung ist geöffnet vom 18. November 2001 bis zum 17. Februar 2002
Oeffnungszeiten : Dienstag-Sonntag 10-18 Uhr, Mittwoch Eintritt frei.

__________________________________________________________________

Seit einem Vierteljahrhundert sucht der Maler Grégoire Müller, unserer jetzige Gesellschaft in Bildern auszudrücken. Er tut das aus einem politischen und humanistischen Blickwinkel heraus und geht die Geschichte auf sehr subjektive Art an. - Wir stellen Arbeiten der letzten fünfzehn Jahre vor, die der Künstler seit seiner Rückkehr in die Schweiz realisiert hat.

Die Ausstellung beginnt mit riesigen verwüsteten Landschaften, die durch Oelpest oder toxische Abfälle verseucht sind, und gleich können wir die Dialektik der Malstrategie Grégoire Müllers erkennen : welch seltsame Schönheit geht von « Toxic Drums » aus, gerade als ob erst eine distanzierte aesthetische Haltung erlaubte, das Uebel wirklich zu « sehen »... !

Die Schau endet neun Säle weiter mit Darstellungen von Katastrophen einer anderen Art : Kriegsszenen. In « Chechnya » widern uns verkohlte Leichen von Soldaten, die mit Flammenwerfern traktiert worden sind, geradezu an, während andere, nicht weniger grausame Darstellungen in diesem Saal erneut eine eigentümliche Poesie des Todes in sich tragen. Zum Beispiel in « Halabja », wo wir seltsam friedlich ausgestreckte Leichen von Kurden erkennen, die im nördlichen Irak von C-Bomben ereilt wurden. Oder im Feuerzauber des panoramischen « Urban Disaster », das der Künstler letzten Sommer malte und das in erschütternder Vorahnung eine riesige Explosion eines Attentats in New York zeigt.

Zwischen diesen Polen werden viele weitere Aspekte unserer Gesellschaft dargebracht, allen voran eine riesige Porträtgalerie. 72 Köpfe, in den meisten Fällen imaginäre und nicht wirkliche Abbilder, die sich eher dem Phänomen der Identität als jenem des Individuums nähern. Wie verhält sich der einzelne Kopf zu den ihn umgebenden in dieser grossen Menge ?

Darauf folgen drei Säle voller Stilleben. Mal sind sie sehr schön und sinnlich (« Red Cocks »), mal beissend und grausam (« Dead Rabbit »). Wir haben eine relativ grosse Zahl Stilleben ausgewählt um zu zeigen, wie Grégoire Müller versteht, diese sehr traditionsvolle und an sich eher unschuldige Bildgattung mit neuen Bedeutungen aufzuladen, etwa in« Bullit »(Kugel) oder «Judas » (Türspion).

Die Genrebilder zeigen ihrerseits die Ausdrucksstärke einer Kunst, die mit Gelassenheit sehr schlimme Szenerien vorstellt, wenn etwa in « Tusks » (Stosszähne) ein geradezu dekorativ gemalter Elfenbeinzahn-Reigen von geldgierigen Schlächtereien berichtet. Donald B. Kuspit hat das « den kosmischen Raum des Stoischen » genannt (vgl. seinen Text im Buch, das zur Ausstellung erscheint). Es ist eine Kunst, die auf universelle Weise von einfachen Dingen erzählt.

Verwandlung ist das Thema des folgenden Raums, wo Müllers grosse Porträts ein morphing, eine aktuelle Methode der Komputertechnik, über sich ergehen lassen. Zehn Skulpturen des Künstlers schauen dem Spektakel scheinbar sprachlos zu, eingetaucht in eine irritierende Tonlandschaft.

Im Saal der Akte schliesslich wird der Mensch all seiner sozialen Attribute buchstäblich entkleidet und damit auf seine Fragilität zurückgeworfen. Das kann mit viel Sinnlichkeit (« La nuit ») oder in geradezu unerträglich harter Weise geschehen (« Battery »). Es ist wohl der einzige Raum, wo wir auf Glück stossen, etwa in « Buchra », einer zärtlichen Darstellung einer schwangeren Frau, gerade, als ob Glück nur im Zusammenhang mit Liebe und Sexualität denkbar wäre. - Nachdem jahrhundertelang der Frauenkörper dem (männlichen) Künstler als Inspirationsquelle zu Verfügung zu stehen hatte (Bonjour Monsieur Ingres...), treffen wir hier endlich nicht nur auf Frauen- sondern auch auf Männerakte, in der Art des « Promethean Nude », der sich zu erheben und von seinen unsichtbaren Ketten zu befreien scheint...

Als bedeutender Maler der Neuen Figuration ist sich Grégoire Müller sehr wohl bewusst, was in seiner Kunst auf dem Spiel steht : « Ich weiss, was ich von meiner Malerei erwarte. Ich will grosse Räume öffnen, in die man hineingehen kann, ich will die menschliche Figur (die mir definitiv im Zentrum der ganzen Geschichte grosser Malerei zu stehen scheint) in Szene setzen, ich will in grossen Gesten malen, die meinen ganzen Körper einbeziehen, ohne Kleinlichkeiten und Schnörkel. Es soll etwas sehr direktes und klar lesbares sein, ohne Manierismen und Stylismen, durchaus mit dem Risiko einer gewissen Unbeholfenheit... »


Kurzbiografie Grégoire Müllers

retour à la page d'accueil de l'exposition

retour à la page d'accueil du Musée d'art et d'histoire de Neuchâtel

Impressum

 


Wasteland 1990 (260 x 468 cm) - Collection G.P.M


Tusks 1992 (192 x 260 cm) - Collection G.P.M