Aloys Perregaux - eine Retrospektive

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Eine Ausstellung des Museums für Kunst und Geschichte der Stadt Neuenburg,
vom 15. Februar bis 11. Mai 2003.
- Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 - 18 Uhr.
- Mittwoch Eintritt frei. -
www.mahn.ch

Die Ausstellung ist so organisiert, dass die chronologische Abfolge der Werke in den kleineren nordseitigen Sälen beginnt. Wir bitten deshalb unsere Besucher, sich dorthin zu begeben, von wo aus sie dem Fluss der künstlerischen Entwicklung Aloys Perregaux' folgen können.

Saal 1 (Saal mit den hohen Fenstern): Zu Beginn nähert sich der Künstler dem Genre der Landschaft in der bekannten Manier grosser Meister, etwa Cézanne, einzelner Expressionisten oder Künstler der Pariser Schule. Diese Beschäftigung kulminiert ein erstes Mal im flammenden "Paysage fauve" von 1966. - Im östlichen Teil des Saals folgen Bilder, die unter dem grossen Einfluss des Berner Malers Max von Mühlenen stehen, bei dem Aloys Perregaux von 1964 bis 1969 Malereikurse besuchte. Es sind in ruhiger und stilisierter Figürlichkeit vorgetragene Werke, unter denen "Matin à l'atelier" von 1970 hervorsticht.

Saal 2: Die Explosion des Pop Art der späten Sechziger- und frühen Siebziger Jahre erlaubt Perregaux, sich von der beherrschten Malweise zu befreien, um sich sozusagen in eine fantastische und starkbunte Farbigkeit "fallenzulassen". Der feurig gemalte Baum unter dem Titel "Ascendance" von 1968 aus der Sammlung unseres Museums ist darunter ein sprechendes Beispiel, aber "Suzanne au bain" von 1973 geht noch weiter in diese farbenfrohe Richtung.

Saal 3: Im oktogonalen Raum bringen wir ein Intermezzo rings um das Thema der "Schlacht" dar. Auf den Spuren des grossen Malers Uccello, tatsächlicher historischer Begebenheiten wie dem Rückzug aus Marignano, furioser musikalischer Begebenheiten (Symphonie der Neuen Welt von Antón Dvorák) oder noch moderner Eishockey-"Schlachten" gibt sich der Künstler seiner Lieblingsbeschäftigung hin: der Farbe Raum geben, sie in einen quasi musikalischen Rhythmus bringen und dabei das Phänomen "Polysemie der Formen" (Formen, die verschiedene Bedeutungen haben können) untersuchen. Wir kommen darauf zurück.

In den Vitrinen einige Beispiele von Zeichnungen aus den zahlreichen Reisen quer durch Europa.

Saal 4 (Ostsaal): Hier stellen wir hauptsächlich die grossen Aquarelle vor, die Aloys Perregaux seit zwanzig Jahren in unserer Region realisiert hat. Zwei Lieblingssujets zeichnen sich ab: der Seyon, dieser magische Fluss, der den Künstler wieder und wider beschäftigt hat und die Baumalleen. Hier spielt Perregaux seine ganze Kunst aus, eine Kunst der Farbharmonien, der Verschränkung von Figur und Grund, eine Kunst, in der sich die Farbflecken von ihrer beschreibenden Funktion befreien, so dass sie mal welke, fallende Blätter und gleich wieder helle Punkte zwischen dunklen Ästen sind (Polysemie).

Auf der etwas abgeschlosseneren Nordseite des Saals zeigen wir einen "geheimen Garten" des Künstlers: noch nie ausgestellte Bilder, die um das Robinson Crusoe-Sujet kreisen, um daraus das Thema des verlorenen Paradieses zu gestalten. Hier sieht der Künstler recht eigentlich die Zukunft seines Schaffens.

Auf der Südseite des Saals leiten wir mit drei sehr verschiedenen Werken über zum Thema des letzten Raums: das Reisen.

Saal 5 (Südsaal): Dieser Saal bildet den Höhepunkt der Ausstellung. Zwar ist der Künstler bereits in den Sechziger Jahren nach Florenz, Kanada oder New York gereist. Aber seit Beginn der Achziger Jahre beginnt er regelmässig, Frankreich, Spanien, Griechenland, Irland, Italien, Marokko, Tunesien und die Türkei zu durchstreifen. Als eigentlicher Reise-Künstler bringt er aus all diesen Ländern ein ausserordentlich reiches und fruchtbares künstlerisches Material nach Hause. Wenn die eng gehängten Arbeiten an der Ostwand dieses Saals den Akzent auf die sehr verschiedenen, zum Teil gleichzeitig praktizierten Malstrategien des Künstlers setzen möchten, versuchen wir im westlichen Teil des Saals eher auf die künstlerische Kohärenz mehrerer Zyklen der letzten Jahre hinzuweisen. Etwa jene aus Marrakesch oder Djerba, wo uns die farbenfrohen Marktszenerien erlauben, uns in ein Konzert aus zahllosen Farbtupfern zu verlieren, die bald Köpfe von Menschen, runde Früchte oder andere bunt dargebrachte Gegenstände darstellen.

Und doch haben wir uns dafür entschieden, in genau diese exotische Welt hinein das grosse Glasfenster "Le Seyon secret" zu stellen, um damit auszudrücken, das Aloys Perregaux immer wieder zu seinen Quellen zurückkommt, und dass in seiner Kunst "das eine nie ohne das andere" geht.